Freitag, 11. Juni 2010

Wie alles anfing...

Regine hat mich gebeten, zu erzählen, warum ich eigentlich in England gelandet bin. Also....

Ich bin schon ganz lange Englandfan. Angefangen hat das mit Königin Elisabeth I. , die eine sehr fazinierende und überaus kluge Frau gewesen sein muss. Ich habe alles über sie gelesen, was ich in die Finger bekam, und so kam ich dazu, den gesamten Stammbaum des englischen Königshauses zu studieren. (Ich bin mit dem Thema auch noch lange nicht durch.) Dann hab bisher zweimal Urlaub in England gemacht, einmal in Bournemouth und beim zweitenmal eine Rundreise durch Südengland. Die Landschaft, die Leute, die unglaublich interessante Geschichte dieser Insel sprechen mich einfach an. Und dann liebe ich das Meer. Mein Traum ist es schon immer gewesen, am Meer zu wohnen. Ich bin in Bayern aufgewachsen, und lebe dort auch noch, also ist das Meer ziemlich weit weg. Eine Bekannte von mir wusste das alles, und hat mir von ihrer Zeit in Wales bei Camphill berichtet. Damals war das aber für mich kein Thema, weil ich einen festen Job hatte, und mir eigentlich nicht vorstellen konnte, für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Vor allem natürlich, weil ich mit meinem Schatz zusammenlebe.

Ich habe einen technischen Beruf gelernt, und auch immer in meinem Beruf gearbeitet. Gefallen hat mir das aber nicht. Ich hab gedacht, wenn ich die Firma wechsle, (was ich ziemlich oft gemacht habe,) wird es vielleicht besser, aber das war nicht so. Bei meinem vorletzten Arbeitgeber war ich am Schluss so verzweifelt, dass ich mich bei einer Zeitarbeitsfirma beworben habe, damit ich von dort wegkomme. Die haben mich dann auch genommen, und ich wurde an eine große Firma verliehen. Dort habe ich im 3-Schicht-System gearbeitet, was für mich überhaupt nicht gut war. Dazu kamen abgestumpfte Kollegen, die nur über Bier und Fußball geredet haben. Ich habe darum gekämpft in eine andere Abteilung mit nur zwei Schichten versetzt zu werden, und nach langem Hin und Her ist mir das auch gelungen. Dort hat es mir dann richtig gut gefallen. Die Leute dort haben zwar auch über Bier und Fußball geredet, aber man konnte auch mal ein tiefergehendes Gespräch führen, oder von Zuhause erzählen. Die schöne Zeit währte leider nur kurz, denn es wurden Leute entlassen. Und zu mir wurde gesagt: Entweder du wechselst wieder die Abteilung, oder du musst gehen. Naja, ihr könnt euch denken, wie ich mich entschieden habe. Ich kam zu einem Projekt, das ganz am Anfang war, und an dem nur ein Mann arbeitete. Lange Rede, kurzer Sinn, es war ein Horror, mit ihm zusammen zu arbeiten. Ich hab natürlich versucht, etwas an der Situation zu ändern. Mir wurde mehrfach Hilfe und Änderung versprochen. Und ich Dummkuh habs geglaubt. Leider passierte lange Wochen einfach nichts. Und dann bin ich krank geworden. Irgendwann wurds meiner Firma dann zu blöd, und ich wurde entlassen. Die Kündigung hab ich an meinem Geburtstag letztes Jahr bekommen, und das war das schönste Geschenk überhaupt. Ich hatte die Schnauze so voll von dem ganzen Kram, dass ich mir dachte: Jetzt oder nie. Mit Schatz gesprochen, der war einverstanden. (Ist das nicht toll? Das macht wahrscheinlich nicht jeder mit. Danke Schatz!) Schlaugemacht. Eine Camphill Community rausgesucht. Dort beworben. Und die haben mich tatsächlich genommen. Alles andere könnt ihr in meinem Blog lesen.

Um Regines restlichen Fragen zu beantworten: Diese Community hab ich mir tatsächlich nur deswegen ausgesucht, weil sie nahe der Stadt Bournemouth liegt (wo ich schonmal Urlaub gemacht habe), und damit fast am Meer. Mit Anthroposophie kann ich garnichts anfangen, ich hatte, bevor ich hierher kam, auch nicht wirklich Ahnung davon. Ich hatte vorher auch noch nie mit Menschen mit Behinderungen zu tun, und wusste überhaupt nicht, ob ich das schaffe. Ich habe nur die Möglichkeit gesehen, in England am Meer ein Jahr zu verbringen, hier zu arbeiten und zu leben, was Neues auszuprobieren.


2 Kommentare:

  1. Danke für die ausführliche Antwort, Petra!
    ...irgendwie ist das ja eine richtige "Story"....
    Dann laß es dir noch besser gehen jetzt!
    liebste Grüße
    Gine
    (die für das Stadfest am WE packt und packt und packt...)

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  2. Hi, habe leider hier schon lange nicht mehr reingeschaut, weil einfach keine Zeit war.
    Einiges scheint ja nicht so toll zu sein, aber trotzdem bewundere ich Dich, dass Du soviel Mut aufgebracht hast und den Schritt gewagt hast.
    Ab und an habe ich auch solche Gedanken, aber ich hab noch 2 Kids, die mich noch brauchen und manchmal denke ich auch einfach nur Kinder einpacken und los und weg. Ich beneide Dich!

    Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Tag.

    GLG, Bianca / Joja (die immer noch aus Deiner tollen Tasse trinkt und an Dich denkt!)

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